Wie kann Künstliche Intelligenz Grundschulkinder beim Lesen- und Schreibenlernen unterstützen? 
Im Projekt SKILLS – Schulen nutzen KI für Lesen, Literarisches Lernen und Schreiben – erforschen und erproben die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Pacemaker Initiative gemeinsam den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Förderung von Basiskompetenzen im Fach Deutsch an Grundschulen.  Ziel ist es, gemeinsam mit Lehrkräften KI-gestützte Möglichkeiten praktisch zu erproben und deren Chancen und Herausforderungen zu evaluieren. Hierdurch soll langfristig eine reflektierte Haltung gegenüber KI aufgebaut und im Medienkonzept verankert werden. 

Das Projekt wird gefördert durch die Auridis Stiftung und die Victor Rolff Stiftung. 

Über das Projekt

Von Juni 2025 bis zum Sommer 2028 nehmen 12 Grundschulen aus Bonn, Rheinland-Pfalz und Thüringen am SKILLS-Projekt teil. Die Universität Jena bringt ihre fachliche Expertise in die Konzeption und Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen ein und steuert die wissenschaftliche Begleitung. 

Die Pacemaker Initiative nutzt ihre langjährige Erfahrung in der Schulbegleitung, um die Schulen beim Transfer der Inhalte in die Praxis sowie der Verankerung im Medienkonzept zu unterstützen. In jeder Region wird die Schulbegleitung durch regelmäßige Gespräche und praktische Erprobungsphasen im Unterricht umgesetzt.  

Jährlich wird ein fachliches Schwerpunktthema in den Fortbildungen behandelt – beginnend mit dem Thema „Lesen“. 

Im Rahmen des Fortbildungsangebotes erhalten die Lehrkräfte Impulse zu KI-gestützten Methoden entsprechend der aktuellen Forschung, die in einer Transferphase vor Ort praktisch erprobt werden. Begleitende Online-Module über den NELE Campus – Campus Neue Lernkultur, z. B. zum Thema Wissenstransfer, sowie die kontinuierliche Prozessbegleitung unterstützen die Lehrkräfte dabei, die erprobten Inhalte nachhaltig in das Curriculum zu integrieren.  

Das Projekt beinhaltet auch mehreren schul- und standortübergreifende Netzwerkveranstaltungen: einem gemeinsamen Auftakt im September 2025 in Bonn, einem „Schulterblick“ sowie einer Abschlussveranstaltung. Durch Aufbereitung der Projektergebnisse unter Einbindung relevanter Akteure wird eine Grundlage für die Skalierung des Projektes geschaffen. 

Aktuelles

Auftaktveranstaltung

Am Dienstag, den 9. September 2025, fand die Auftaktveranstaltung von SKILLS im Wissenschaftszentrum in Bonn statt. Erstmalig trafen sich Vertreter*innen der 12 teilnehmenden Grundschulen aus Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen, der Förderpartner und Bildungsadministrationen sowie das Projektteam der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Pacemaker Initiative, um gemeinsam den Auftakt zu bestreiten.

Der einführende Impulsvortrag von Gerrit Helm und Dr. Florian Hesse (Friedrich-Schiller-Universität Jena) zum Thema “Basiskompetenzen stärken! Mit KI?” vermittelte anschaulich Hintergründe und Grundlagen zur Förderung von Basiskompetenzen, zu diagnostischen Verfahren sowie Chancen und Möglichkeiten, wie KI unterstützen kann.

Der Rest des Tages war dem Kennenlernen und dem Austausch gewidmet: Bei der Vorstellungsrunde der Schulen wurde deutlich, mit welcher Motivation alle Beteiligten ihrer Profession nachgehen und welche Hoffnungen sie in das Projekt setzen. Thementische zu verschieden Aspekten von KI aus unterschiedlichen Blickwinkeln führten zu einem regen Austausch und vielen neuen Denkanstößen.

So endete die Veranstaltung vor allem mit großer Vorfreude auf die kommenden 3 Jahre und dem Wunsch nach viel mehr Gelegenheiten zu Austausch und Zusammenarbeit.

Best Practices

Erkenntnisse aus unseren Erprobungen

Entdecken Sie, wie unsere Projektschulen Basiskompetenzen kreativ mithilfe von Künstlicher Intelligenz trainiert haben. Fahren Sie dazu über die Kärtchen.

Hörbuchlesen

Beim Hörbuchlesen lesen die Kinder den Text mit, während parallel das passende Hörbuch läuft. Mithilfe von KI kann jeder beliebige Text ein Hörbuch werden, Vorlesestimme und Tempo sind anpassbar. So wird die Auswahl der Texte größer und jedes Kind kann im eigenen Tempo mitlesen.

Umsetzungsbeispiel

Aus KI-generierten Audiodateien konnten die Kinder einer 2. Klasse mit QR-Codes das für sie passende Niveau wählen. Viele waren motivierter als beim klassischen Mitlesen und einige Kinder nutzten selbstständig die Stopp- und Weiter-Funktion. Dennoch war nicht immer klar, ob alle aktiv mitlasen; teils war das Tempo noch zu hoch.

Lesestrategie-Leporello

Ein eigens vom Projektteam entwickelter Leporello, der “Lese-Entdecker”, leitet Schüler*innen an, wie sie einen zu lesenden Text Schritt für Schritt bearbeiten und ihr Leseverständnis so verbessern können. KI-Tools können Lehrkräfte dabei unterstützen, der Lesekompetenz der Kinder entsprechende Texte zu generieren oder anzupassen, geeignete Forscherfragen zu finden und weiterführende Quiz-Fragen zum Text zu erstellen. 

Umsetzungsbeispiel

Eine DaZ-Gruppe bekam einen Text zur Fußball-WM und zugehörige Forscherfragen. Text und Fragen wurden mithilfe von KI erstellt. Das Vorgehen auf Basis des Leporellos war für die Kinder ungewohnt, wurde aber als hilfreich und motivierend bewertet. Bei den Fragen ist darauf zu achten, globale Fragen zu stellen, die nicht durch das bloße Auffinden eines einzelnen Satzes im Text beantwortet werden können. Die Methode wurde als praktikabel in der Unterrichtsvorbereitung und -durchführung wahrgenommen.  

Vorlesetheater

Bei dieser Methode wird ein Text mithilfe von KI in eine Szene mit Sprecherrollen und Regieanweisungen umgewandelt. Die Lernenden verteilen die Rollen unter sich und üben in Kleingruppen das laute und betonte Lesen. Optional präsentieren sie ihren Text in der Klasse.

Umsetzungsbeispiel

Mit KI wurde ein Text in eine kleine Szene umgewandelt. Die Lehrkraft musste das Ergebnis der KI an mehreren Stellen nachbessern. Die Kinder einer 4. Klasse übten das abwechselnde Lesen der Szene und setzten teilweise auch die Regieanweisungen um. In Folgestunden sollte dann eine Tonaufnahme in Form eines Hörspiels mit der App Garage Band folgen. Motivation und Konzentration der Kinder waren außergewöhnlich hoch.

Textverstehen mit dem Lese-Assistenten

Ein spezieller Lese-Assistent, der in einigen KI-Tools bereits angelegt ist, kann mit den Kindern nach dem Lesen des Textes eine Unterhaltung zur Überprüfung und Förderung des Textverständnisses führen. Der Assistent stellt den Kindern Fragen zum Text, gibt ihnen Rückmeldungen zu ihren Antworten und bindet sie in eine weiterführende Unterhaltung über den Text ein.

Umsetzungsbeispiel

Lernende kommunizierten nach dem Lesen eines Textes mit dem KI-Lese-Assistenten. Eine Auswertung der Chats durch das Team der FSU-Jena zeigte, dass starke Lesende lernförderlicher mit der KI kommunizierten und so ggf. stärker profitierten. Gleichzeitig bietet dies der Lehrperson aber den Freiraum, schwächere Lesende intensiver zu begleiten. In einer anderen Erprobung zeigte sich, dass ein Kind mit Deutsch als Zweitsprache großen Nutzen daraus zog, sich mithilfe des Assistenten unbekannte Wörter und schwierige Sätze selbständig zu erschließen.  

KI-generierte Raptexte lesen und aufführen

Ein Lesetext wird nicht als Dialog oder Theaterstück, sondern als Rap vorgetragen. Diese abwechslungsreiche Form kann die Lesemotivation steigern und das Lautlesen fördern. Mithilfe eines KI-Tools wird ein Assistent erstellt, der vorhandene Texte in Raps umwandelt oder aus vorgegebenen Schlüsselwörtern neue Raptexte erstellt. Die Kinder tragen die Strophen abwechselnd vor, idealerweise mit passender Musik. 

Umsetzungsbeispiel

Eine Lehrkraft erstellte einen KI-Assistenten, der aus eingegebenen Schlüsselwörtern kindgerechte Raps verfasst. Dafür ist ein präziser Prompt notwendig. In Kleingruppen wählten die Kinder ein Thema und passende Schlüsselwörter und gaben diese in den „RapBot“ ein. Anschließend lasen und besprachen sie die Ergebnisse und passten ihre Eingaben bei Bedarf an. Sie verteilten die Strophen und übten das Vorlesen zunächst langsam, später schneller und schließlich zur Musik. Freiwillige präsentierten ihren Rap vor der Klasse und erhielten Feedback. 

Kontakt

Ansprechpartner*innen für Thüringen sowie für Fortbildungsinhalte und Diagnostik

Aneta Wichers

Aneta Wichers

Universität Jena

Dr. Gerrit Helm

Dr. Gerrit Helm

Universität Jena

Prof. Dr. Florian Hesse

Prof. Dr. Florian Hesse

Universität Erlangen-Nürnberg

Ansprechpartnerinnen für Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und für Schulbegleitung

Julia Soeffner

Julia Soeffner

Projektleitung Pacemaker Initiative

Carolin Arnold

Carolin Arnold

Projektleitung Pacemaker Initiative

Judith Böttger

Judith Böttger

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Projektteam und Förderpartner

Das Projekt SKILLS wird in Zusammenarbeit der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Pacemaker Initiative umgesetzt. Die Wissenschaftler*innen der Universität Jena nutzen ihre Expertise in der Fachdidaktik Deutsch zur Konzeption von Fortbildungsveranstaltungen. Das Team forscht sowohl zur Qualität von Deutschunterricht als auch zum Einsatz von KI.

Die Pacemaker Initiative ist ein Programm des Sozialunternehmens EDUCATION Y.

Die Umsetzung des Projekts wird durch die Förderung der Auridis Stiftung und der Victor Rolf Stiftung ermöglicht.

Die Auridis Stiftung fördert bundesweit öffentliche Träger und private Organisationen, die mit ihren Angeboten und Leistungen die Aufwachsensbedingungen von Kindern nachhaltig verbessern.

Die Victor Rolff Stiftung engagiert sich im Regierungsbezirk Köln in den Förderbereichen Bildung, Kultur und Umwelt. Sie fördert und begleitet dabei insbesondere Projekte zur Verbesserung von Bildungschancen.

SKILLS Förderpartner und Projektpartner